MARIMO tea - Teeproduktion, Import & Großhandel
  

Japan-Reise-Blog 2013 Teil 1

25.04.2013

Schon gegen 6 Uhr weckt uns das Auto der Morimotos. Die beiden machen sich auf den Weg zu Teegarten Nr. 8, der als nächstes geerntet werden soll. Am Frühstückstisch erfahren wir aber, dass die Sträucher noch einen Tag mehr Zeit brauchen, bis sie geerntet werden können. Heute ist es also auch noch relativ entspannt und wir haben Zeit Nina alle Teegärten zu zeigen und über Anbaumethoden zu sprechen.

Foto: Shigeru mit Warabi 

Foto: Nina und Shigeru im Teegarten Nr. 12

...aber morgen geht's weiter mit der Ernte!

24.04.2013

Gestern Abend hat es leider wieder geregnet, sodass die Ernte heute nicht weiter gehen kann. Wir sind ganz froh darüber, liegt uns doch der gestrige Tag noch ganz schön in den Knochen. Alle durften heute mal ausschlafen. Selbst Shigeru erscheint erst mit uns gegen 10 Uhr am Frühstückstisch. Den Vormittag verbringen wir mit Tee packen und Emails schreiben.

Für unseren Zeitplan passt der gestrige Regen sehr gut, denn heute kommt Nina, unsere Großhändlerin für Portugal am Flughafen von Miyazaki an. Wir haben also Zeit sie gemeinsam vom etwa 1,5 Stunden entfernt liegen Flughafen abzuholen.

Vom Tag ist danach nicht mehr viel übrig, wir genießen ein großartiges Abendessen und machen uns auch schon bald ins Bett. Für morgen ist wieder Ernte angekündigt - gambarimashou! 



Foto: Abendessen bei Familie Morimoto

23.04.2013

Feld Nr. 4 mit beschatteter Yabukita ist komplett geerntet! Heute durften wir einmal am eigenen Leibe erfahren, was es heißt im Teegarten wirklich mit zu arbeiten. Ab 8 Uhr ging's auf die Erntemaschine. Unsere Aufgabe bestand darin den Tee so zu verteilen, dass er nicht aus den dünnen Netzsäcken wieder herausfällt. Die etwa 30kg schweren Säcke mussten wenn sie voll waren dann so schnell wie möglich in die Verarbeitungsanlage gebracht werden. Unter Luftzirkulation und Kühlung warten die frischen Blätter dann verarbeitet zu werden. Erster und entscheidender Schritt bei der Verarbeitung zu Sencha ist das Dämpfen. Um den für die geernteten Blätter passenden Druck und die passende Dämpfungszeit heraus zu finden, braucht man schon ganz schön viel Erfahrung. In der Fabrik ist daher Shigeru Morimoto am Werke. Er hat schon von seinem Vater viel über Teeproduktion gelernt und auch als junger Mann am nahegelegenen Tee-Forschungsinstitut in Miyazaki gelernt. Mittlerweile fragen befreundete Teeverarbeiter ihn, wie Dämpfungszeit und Druck am besten eingestellt werden sollten um guten Tee zu produzieren. Gegen Abend 21.00 Uhr sind auch die letzten Blätter verarbeitet und wir machen uns dran den Aracha (Rohtee) in Säcke abzufüllen. Nun müssen nur noch sämtliche Anlagen gesäubert werden. Spät abends, nachdem alles sauber war, wollten wir den heute frisch produzierten Tee natürlich noch verkosten. Wir sind mehr als zufrieden, der Tee ist wirklich sehr schön duftig und süß geworden. Er wird Teil des diesjährigen Miyazaki Tokujou Sencha werden. Den Blend entscheiden wir aber erst, wenn alle Strauchsorten geerntet sind.

22.04.2013

Heute sind wir dazu gekommen, den Mizudashi Shincha für unsere Lieferung nach Deutschland fertig zu machen, da es gestern regnete, sodass heute keine Ernte stattfindet. Der Mizudashi Shincha, der schon bald via Luftfracht in Deutschland ankommen wird, besteht aus ganz feinen Blättern und Stengelchen, die sich hervorragend zum Aufgießen mit kaltem Wasser eignen. Bald, wenn es in Deutschland wieder richtig warm ist, ist dieser Tee eine wunderbare Erfrischung. Wie der Shincha, so ist auch der Mizudashi Shincha ein Blend aus Yutaka Midori und Saki Midori, die teilweise beschattet wurden. Im Gegensatz zum Morimoto Shincha besteht der Mizudashi allerdings aus noch feinerem Blattmaterial, dass für einen warmen Aufguss zu empfindlich wäre. 

Foto: Minami Sayaka im Teegarten der Familie Morimoto

Morgen werden wir früh aufstehen: Die Yabukita-Sträucher direkt neben dem Wohnhaus werden in den Morgenstunden geerntet. Da für Mitte der Woche wieder Regen angekündigt ist, sollten wir morgen so viel wie möglich schaffen. Also geht es heute nach einem warmen Bad früh ins Bett.

21.04.2013

Aufgrund des starken Regens am Vortag, der über ganz Kyushu einher brach, konnte heute bei Familie Morimoto nicht geerntet werden. Wir haben also die Zeit mit hi-ire, dem finalen Erhitzungsprozess verbracht. Danach haben wir den Tee noch einmal ausgesiebt, sodass nur die wohlschmeckenden feinen Blätter im Tee enthalten sind. Ihr könnt Euch freuen, der Tee ist großartig in diesem Jahr! Der Morimoto Shincha 2013 ist damit fertig. Jetzt fehlen nur noch die Exportdokumente. Am Nachmittag war dann auch noch einmal Feldarbeit angesagt: Blätter und Beikräuter mussten aus dem Teegarten, der direkt hinter dem Wohnhaus liegt, entfernt werden. Dabei hat Shigeru eine Schlange entdeckt, die zwischen den Zweigen entlang schlich. Am Abendbrottisch sind wir dann noch einmal die Tiere durchgegangen, die in einem Bio-Teegarten eben auch leben. Darunter auch eine Giftschlange, deren Aussehen wir uns allerdings noch nicht vorstellen können. Die beiden meinten aber auch, wir sollten eher vor großen Insekten aufpassen.

20.04.2013

Es regnet mal wieder und die Temperaturen sind maßgeblich abgefallen. Wir fühlen uns ein bisschen so, wie im vergangenen Jahr, als wir im März unsere Lieferanten besuchten und bitterlich gefroren haben. Zum ersten Mal nutzen wir in Japan den Highway Bus und fahren etwa zwei Stunden in die Berge von Miyazaki. Dort angekommen werden wir gleich herzlich empfangen. Leider regnet es in Strömen, sodass wir weder die wundervolle Aussicht auf die Berge, noch den Blick auf die idyllischen Teegärten wirklich genießen können. Mit dem Auto fahren wir von Teegarten zu Teegarten, werfen einen kurzen Blick auf die Pflanzen und weiter geht’s.

Foto: Teegarten in den Bergen von Miyazaki 2013

Die Familie, die diesen Teegarten betreibt baut etwa 20 verschiedene Strauchsorten an, immer in recht überschaubarem Umfang. Die Familie pflegt noch, wie in der Region allgemein recht üblich die Tradition der trockenen Erhitzung zur Herstellung von Kamairicha.

Foto: Erhitzungsmaschine für Kamairicha

Das besondere hier ist aber, dass die Tees unglaublich leuchtend grün sind. In der Produktionshalle haben wir alle Tees verkostet und werden, wenn die neue Ernte da ist, auch von diesem Teegarten neue Sorten in unser Sortiment aufnehmen. Von dem Saemidori Kamairicha waren wir besonders begeistert, ebenso von einem ganz leicht anfermentierten Minami Sayaka Kamairicha, dessen Duft einfach überwältigend ist. Noch müssen wir uns aber etwas gedulden, denn aufgrund der Lage auf etwa 600-800m über dem Meeresspiegel und damit einhergehend sehr kühlem Klima, beginnt die Ernte erst Mitte Mai. Am Abend haben wir dann unsere beiden französischen Kundinnen verabschiedet und uns auf den Weg zurück nach Kawaminami zu den Morimotos begeben.

   

19.04.2013

Nachdem wir den gestrigen Abend in einer kleinen Bar mit Sake und köstlichem Essen haben ausklingen lassen, sind wir heute ein bisschen müde. Reina, die uns als Assistentin seit einigen Jahren unterstützt, hatte einige Schwierigkeiten auf ihrem Weg von Kyoto nach Ureshino, da sich die Haltestelle ihres Nachtbusses überraschend geändert hatte. Schließlich kam sie daher statt mit dem Nachtbus mit dem ersten Shinkansen frühmorgens nach Ureshino. Heute treffen wir Herrn Soejima, dessen Teegarten dort hoch in den Bergen liegt. Er stellt die wunderbaren Tamaryokucha-Sorten her, die seit 2009 unser Sortiment zieren.

Herr Soejimas Tee, der geschmacklich auch in Japan keine Konkurenz hat, ist in den letzten Jahren so beliebt geworden, dass er jedes Jahr im Sommer schon komplett ausverkauft ist. Wir bestellen daher nach Möglichkeit schon im Februar vor, um auch wirklich noch etwas zu bekommen.

Foto: Wohnhaus, Produktionshalle und Teegärten der Familie Soejima

Schon im vergangenen Jahr hat er zur Sprache gebracht, dass ihm die Bio-Zertifizierung mit einem zu großen Dokumentationsaufwand verbunden ist, und er lieber noch mehr Zeit hätte sich um seine Gärten zu kümmern. Da sich sein Tee auch ohne Bio-Zertifizierung so gut verkauft, dass die Menge ohnehin nicht ausreicht, hat er nun beschlossen sich nicht weiterhin zertifizieren zu lassen. Dies ändert natürlich nichts an seiner Einstellung zur ökologischen Landwirtschaft, und er bleibt aus tiefster Überzeugung bei seinen Anbaumethoden.

Zur Düngung verwendet er schon seit vielen Jahren ausschließlich eine Mischung aus fermentierten Reisspelzen, Rapstrester und Fischmehl. Er selbst schmeckt bei Tees anderen Gärten sofort, ob Pestizide eingesetzt wurden, und ist stolz auf den Geschmack, den seine reinen Tees haben. Seine größten Fans finden sich mittlerweile in der Tokyoter Oberschicht, während vor 10 Jahren seine Tees nur auf Kyushu bekannt waren.

Foto: Familie Soejima 2013

Wir hatten heute einen ganzen Tag um uns auszutauschen. Herr Soejima nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und erzählt uns, dass er uns zu Anfang gar nicht richtig einordnen könnte. Für Importeure und Großhändler waren wir doch noch recht jung. Außerdem hatte er zuvor schlechte Erfahrungen mit anderen Kunden außerhalb Japans gemacht, sodass er zu Anfang eigentlich nicht ins Ausland liefern wollte. Dies hat sich nun geändert und er freut sich über die gute Partnerschaft mit MARIMO.

Wir freuen uns schon sehr, da Herr Soejima diesen Herbst nach Deutschland zu Besuch kommen wird. Alle, die dann Herrn Soejima und seine Tees noch genauer kennen lernen möchten, sind herzlich bei uns in Frankfurt willkommen. Morgen machen wir uns auf den Weg in die Berge von Miyazaki, wo wir einen für uns neuen Teegarten kennenlernen werden. Wir sind schon sehr gespannt.

18.04.2013

Obwohl bei den Morimotos in Miyazaki die Ernte weitergeht und wir dort am liebsten auch heute mithelfen würden, machen wir uns schon in den frühen Morgenstunden auf den Weg nach Kumamoto zu Sakura-No En. In diesem Jahr muss es besonders schnell gehen, denn zum Wochenende hat sich wieder Regen angekündigt.

Am Bahnhof von Minamata holt uns Kazuya Matsumoto ab und wir es geht gleich in die Teegärten.

Foto: ältester Teegarten von Sakura-No En mit samengezogenen Pflanzen (Zairai-shu)

Vor zwei Jahren kaufte die Familie einen Teegarten dazu, sodass der Betrieb nun ca. 3,8 ha groß ist. Da dieser neue Garten früher einmal konventionell betrieben wurde, hat Herr Matsumoto erst einmal 2,5 Jahre gewartet, bis er nun zum ersten mal erntet. In diesem Jahr ist es soweit. Er lässt den Tee nach der Ernte analysieren und wenn alles sauber ist, verwendet er die Ernte für den Teil des Sakura-No Sencha, der dann ausschließlich in Japan verkauft. Da wir mit ihm oft über Zertifizierung und auch allgemein über Bio-Anbau sprechen, möchte er uns nämlich in diesem Jahr nur den Tee von seinen bisherigen Feldern verkaufen.

Wie nach europäischen Regeln möchte er für unseren Tee 3 Jahre warten, bis er dann den Tee von dem neuen Garten anbietet. Dies ist sicherlich auch als ein Zeichen zu verstehen, dass er auch wenn keine Bio-Kontrollstelle seinen Teegarten kontrolliert, er von sich aus mindestens ebenso strenge Regeln einhält.

Foto: Yabukita im Teegarten von Sakura-No En: Was fehlt links im Vordergrund? Die Blätter des Shincha Moe! Links hat er nämlich gestern schon geerntet, rechts erst zwei Tage später.


Gestern hat Herr Matsumoto schon den ersten Teil seines diesjährigen Shincha geerntet und morgen Nachmittag erntet er den nächsten Teil. Wie in den vergangenen Jahren fährt er mit dem Aracha (Rohtee) nach Miyazaki um dort die finale Erhitzung durchzuführen. Nächste Woche geht der einmalige Tee dann los in Richtung Deutschland.

17.04.2013

Für alle ist der heutige Tag, den wir ganz dem Shincha widmen werden, vergleichsweise entspannt: In den Morgenstunden fiel Regen, sodass heute nicht geerntet wurde. Während Tae Morimoto den beiden Kundinnen aus Frankreich die Teegärten zeigt, kümmern wir uns um die Mischung des Morimoto Shincha. Gemeinsam mit Haruyo testen wir verschiedene Zusammensetzungen aus. Dafür probieren wir erst verschiedene Mischverhältnisse des Aracha - also vor der finalen Erhitzung - und dann nochmal die verschiedene Verhältnisse des fertig erhitzten Tees.

Foto: Haruyo Morimoto beim Shincha-Mischen

Bis zum Abend sind wir soweit: Wir haben einen Favoriten. Es ist eine Mischung, die sowohl Haruyo, Shigeru, als auch unsere französischen Kunden und natürlich auch uns begeistert.

Foto: Shincha Blending 2013: Das Finale

Die Mischungen ruhen nun noch bis wir am Wochenende wieder zurück zu den Morimotos kommen. Am Wochenende treffen wir dann endgültig die Entscheidung, machen die finale Erhitzung und packen die Pakete für den Transport.

16.04.2013

Den heutigen Tag haben wir fast nur im Zug verbracht. Morgens sind wir mit unseren Gästen aus Frankreich Richtung Osaka aufgebrochen. Die beiden sind in Hiroshima ausgestiegen und für uns ging es weiter bis Osaka. Wir hatten einen Termin zum Mittagessen mit einem Exporteur, mit dem wir seit gut zwei Jahren zusammenarbeiten. Seit unserem Kennenlernen hatten wir bisher keine Gelegenheit uns wieder einmal zu sehen. Leider konnten wir nicht lange bleiben, und die letzten Menügänge mussten leider ausfallen, denn unser Ziel ist ja heute wieder Kawaminami und es gibt kaum einen abgelegeneren Ort, wenn man von den großen Ballungsgebieten her kommt. Unterwegs sind die beiden Französinnen wieder in unseren Zug eingestiegen. Nach Sonnenuntergang erreichen wir endlich den Bahnhof von Kawaminami, wo wir von Haruyo Morimoto herzlich empfangen werden. Gestern hieß es noch, dass die beiden heute Tee verarbeiten werden, aber bestimmt schon fertig sind, wenn wir ankommen. Im Auto erfahren wir dann, dass die Anlagen noch laufen. So beeilen wir uns noch etwas von den letzen Produktionsschritten mitzubekommen. Natürlich musste der frisch produzierte Tee auch verkostet werden. Der Duft der Yutaka Midori ist überwältigend – als würde man mitten im Teefeld stehen. Nun ist auch die Farbe satt grün und der Tee entwickelt eine wunderschöne süße und Frische. Saki Midori ist in diesem Jahr etwas milder ausgefallen, im Vergleich zum letzen Jahr – gute Vorzeichen für einen tollen Jahrgang. Morgen kümmern wir uns um den Blend für den diesjährigen Morimoto Shincha. Unsere Neugier hat nun leider unseren Tag-Nacht-Rhythmus völlig durcheinander gebracht. Wir gehen erst halb drei ins Bett. Auch die beiden Töchter kommen erst so spät ins Bett, da sie noch die Maschinen bis 2 Uhr nachts sauber machen mussten.

15.04.2013

In der Nacht hat es etwas geregnet, sodass heute trotz Sonnenschein und warmen 24°C nicht geerntet werden kann. Wenn es regnet kann so oder so nicht geerntet werden, erntet man aber einen Tag danach, schmeckt der Tee nicht. So müssen wir noch einen Tag warten, bis weiter geerntet werden kann. Wir haben die Zeit mit der Weiterverarbeitung verbracht, haben zuerst Kafun Catechin Tee gemahlen und abgepackt und dann die finale Erhitzung für den Shincha durchgeführt. Haruyo erklärt und dabei alle einzelnen Nachverarbeitungsprozessen, das Aussieben und Trennen des Rohtees (Aracha). Jetzt wissen wir auch warum der Miyazaki Tokujou Sencha und auch der Shiraore so besonders fein sind. Die beiden verwenden ein besonders feinmaschiges Sieb und nach dem finalen Erhitzungsprozess sortiert Haruyo noch per Hand die zu groben Blätter und den Teestaub aus. Sie meint, wenn der Tee den Namen Tokujou (jap. besonders gut) trägt, dann sollte er eben auch besonders gut sein – das ist Ehrensache. Und so sitzt Haruyo im Frühjahr nächtelang an der Erhitzungsmaschine und sortiert vor dem Verpacken die Blätter per Hand. In diesem Jahr helfen wir aber kräftig mit, damit Haruyo auch mal schlafen kann.
Nachmittags mussten wir dann aber wieder losfahren. Wir holen unsere französischen Kundinnen Valérie und Francoise vom Flughafen in Fukuoka ab. Mit ihnen geht's dann am Dienstag wieder zurück nach Kawaminami.

14.05.2013


Wir sind etwas durch den Wind, zwei Tage hintereinander sind wir erst spät ins Bett gekommen und mussten noch vor 5 Uhr aufstehen um alles pünktlich zu schaffen. Unterwegs genießen wir die wunderschöne Landschaft um den Sakurajima herum und auch das wunderschöne Kirishima-Gebirge. Am Marktstand angekommen erfahren wir, dass Haruyo und Shigeru gestern noch bis nachts Tee verarbeitet und abgepackt haben. Trotz dem nur dreistündigen Schlaf strahlen die beiden vor Energie, sind aber auch ein bisschen aufgeregt. Es ist das erste Mal, dass sie zu diesem Markt eingeladen werden. Die Floskeln, die in Japan beim Anbieten von Waren üblich sind, sind den beiden völlig fremd. So hilft eine ältere Dame, die sich selbst als Fan der Morimotos und ihrer Produkte bezeichnet aus und wirbt für die Produkte. Unsere Rolle besteht darin den Tee zuzubereiten und zum Probieren anzubieten. Nach dem Besuch der Morimotos in Deutschland und Portugal meinen sie, dass wir so gut Tee aufgießen würden, sodass sie den Job gleich an uns abgegeben haben. Wir freuen uns den ersten Tee des Jahres hier vorstellen zu dürfen. 

Foto: Organic Market Miyazaki

Ach ja, ihr wisst ja, was das heißt: ES IST SHINCHA-ZEIT! Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit der Tee so schnell wie möglich auch in Deutschland ankommt. Freut Euch drauf!

Auf dem Weg zurück nach Kawaminami haben wir dann noch besprochen, welche neuen Teesorten wir gemeinsam neu herausbringen möchten. Interessanterweise beleben wir mit vielen Tees, die wir nun wieder produzieren möchten, alte Traditionen vom Teegarten der Morimotos. Welche Sorten das werden bleibt aber noch geheim.

13.04.2013

Kurz nach dem Aufstehen, wir sind kurz davor das Hotelzimmer zu verlassen spüren wir ein leichtes wanken und wackeln des Hauses: ein Erdbeben. Später in den Nachrichten erfahren wir, dass das Epizentrum kurz vor Osaka lag. Die Kansai-Ebene wurde also ganz schön durchgeschüttelt – mit Stärke 6. Wir spüren die Auswirkungen erst im Shinkansen. Zum ersten Mal erleben wir, dass ein Shinkansen Verspätung hat. Die Gleise müssen nach dem Beben erst einmal kontrolliert werden und wir müssen im Zug ausharren und hoffen, dass keine Schäden aufgetreten sind. Nach gut einer halben Stunde ist die Strecke frei gegeben, sodass wir Nagoya wohlbehalten erreichen und auch genau pünktlich im Atsuta Schrein ankommen.
Die Hochzeit findet traditionell japanisch im Park des Schreins statt.

Foto: Hochzeit im Atsuts Jingu

Der Trauungszeremonie folgt ein Empfang, bei dem enge Verwandte und Freunde kurze Reden halten und dem Paar die besten Wünsche übermitteln. Den Gästen wird unterdessen ein Menü mit unzählbar vielen Gängen serviert. Wir kommen mit einigen Gästen ins Gespräch und erleben einen wundervollen Nachmittag, bei dem der kulturelle Austausch zwischen Japan und Deutschland immer wieder thematisiert wird. Leider können wir weder bis zum Ende des Empfangs bleiben, noch an den anschließenden Feierlichkeiten teilnehmen. Die Morimotos haben uns am Sonntag von 9 bis 13 Uhr zum Tee zubereiten auf dem Bio-Markt von Miyazaki eingeplant. Am Abend schaffen wir es bis Kagoshima um dann früh morgens weiter nach Miyazaki zu fahren.

12.04.2013

Die Nacht war wieder einmal kalt und so treibt es uns morgens gleich auf die Teefelder um zu schauen, ob noch alles in Ordnung ist. Im Vergleich zu den Berichten aus anderen Orten in Japan, haben wir Glück. 

Foto: Frostschaden in Teegarten Nr. 4 der Familie Morimoto

Nach dem Mittagessen haben wir dann unser geliebtes Kawaminami verlassen und fahren erst einmal nach Miyazaki City. Tagsüber ist es zum Glück wieder warm geworden, sodass wir die Umsteigezeit für einen kleinen Spaziergang in Miyazaki City nutzen. Auch wenn wir nicht weit gekommen sind, fanden wir es doch wieder toll. 

Foto: Miyazaki City

Weiter ging es nun nach Hiroshima, da wir weiter nicht mehr fahren können. Wir sind auf dem Weg nach Nagoya. Dort heiratet morgen eine gute Freundin, die uns 2006 bei der Kontaktaufnahme mit unseren ersten Lieferanten geholfen hat. Damals wollten wir ja einfach nur wissen, warum die Teegärten angefangen haben ökologisch zu produzieren. Als Geschenk haben wir von jedem Betrieb, den wir damals besucht haben Geschenke bekommen. Die Tees haben uns so begeistert, dass wir angefangen haben zu importieren. Sie ist also auch eine ganz wichtige Person in der Geschichte von MARIMO.

11.04.2013

Sehr kalt war die Nacht! Gestern schon ließ der Wetterbericht verlauten, es werde kalt, und so hielten uns die Windräder einmal mehr wach. In vielen Teilen Japans sanken die Nachttemperaturen außergewöhnlich weit, besonders in Anbetracht dessen, dass im Monat April das Wetter hier nicht selten schon sehr sommerlich wirkt, und so entstanden vielerorts Frostschäden an den Teepflanzen. Infolgedessen verfärben sich die jungen, frühlingsgrünen Blätter ins dunkle Gelbbraun. Die erste Ernte wird daher wohl in vielen Gärten nicht so groß ausfallen.

Bei den Morimotos hat sich der Frost glücklicherweise nicht so stark ausgewirkt. In den Teegärten 10, 8 und 4 sind nur überschaubare Stellen vom Frost betroffen. Der Verlust hält sich also noch in Grenzen. Es ist interessant zu sehen, dass genau dort Frostschäden auftreten, wo der Wind der Ventilatoren nicht so intensiv hingeblasen wird. In den letzten Jahren investierten die Morimotos in diese Ventilatoren maßgeblich, sodass nur kleine Teile der Teegärten dem Frostrisiko ohne Milderung ausgesetzt sind. 

Foto: Vom Frost braun gewordene Blätter und Blattknospen

Leider kamen heute die nachbestellten Netze für Teegarten 1 noch nicht an, sodass wir uns hier auf dem Hof nützlich machten. Für den bevorstehenden Transport nach Deutschland haben wir heute den Kafun Catechin Tee gemahlen und Morimoto Matcha abgepackt. Dem Lager hier sieht man an, dass der Tee der Morimotos sehr gefragt ist: es ist wirklich leer.

10.04.2013

Teegarten 12 ist nun komplett von den schwarzen Netzen überzogen. Vormittags haben wir die letzten Reihen abgedeckt und dann ging's weiter zum Teegarten 1, bei dem dann auch Netze zur Beschattung angebracht wurden. Es war aber heute nicht so anstrengend, da einfach nicht genügend Netze da waren, sodass wir vergleichsweise schnell fertig waren. Neue Netze kommen wohl morgen oder übermorgen. Die Nachmittagsstunden verbrachten wir noch damit, die Teefelder von Beikräutern zu befreien. Durch die Wärme am Anfang des Frühjahres ist nämlich nicht nur der Tee sehr schnell gewachsen, sondern auch eine Vielzahl anderer Pflanzen, die am Ende nicht im Tee landen sollten. 

Als wir fertig waren hat uns Haruyo noch gezeigt, wie der Teegarten angelegt worden ist. Haruyo, Shigeru und Shigerus Mutter haben das Terrain vor mehr als 30 Jahren urbar gemacht. Die riesigen Findlinge, die sie dabei aus dem Erdboden herausholen mussten, verkauften sie an Liebhaber japanischer Gärten. Zwischen den Reihen sind Drainage-Rohre vergraben, die dafür sorgen, dass sich keine Staunässe bildet. Der Besitzer eines Nachbarfeldes hat auf eine Drainage verzichtet und bereut dies bitter.

09.04.2013

Alle Tage wieder.... Teegarten 12 wartet auf uns! Heute fuhren wir gleich vormittags raus aufs Feld. Mit Ausnahme einer ausgedehnten Mittagspause verbrachten wir den ganzen Tag damit schwarze Netze über die Teesträucher zu legen, zu spannen und mit Schlaufen zu befestigen. Der Wind wehte immer wieder stark und die Blätter der Sträucher waren wieder zu sehen, so dass die Schlaufen erneut angebracht werden mussten. Mittags durften wir noch ein Stündchen nach dem Essen ausruhen. Haruyo meinte, wir sollten noch Kräfte sammeln für die wirklich anstrengende Erntezeit. Das wird noch was....

Foto: Pause im Teegarten Nr.12

Leider haben wir es wieder nicht geschafft, den ganzen Teegarten fertig zu beschatten - ein paar Reihen ganz oben fehlen noch - morgen Vormittag sollte dann alles geschafft sein. Durch die Arbeit können wir nun auch die Größe der Teegärten besser einschätzen. Hatten wir noch zu Beginn den Eindruck, der Betrieb sei recht überschaubar, merken wir nun, wie groß allein 1,2 ha sind und wie viel Arbeit darin steckt sich nur um dieses eine Feld zu kümmern. 

Heute Abend sind wir alle noch sehr lecker Essen gegangen - in einem kleinen Laden, der auch viele Zutaten von den Morimotos verwendet. Warum Laden? Haruyo betonte nur immer, dass es kein Restaurant sei, es kocht dort nur jemand für uns. Gestärkt beschließen wir nun diesen Tag und ruhen und fürs morgige Kabuse-Finale aus.

08.04.2013

Die letzte Nacht war kalt, so um die 5-6 Grad, sodass die Ventilatoren auf den Teefeldern die ganze Nacht durch gelaufen sind - so hatten wir einen sehr leichten Schlaf. Tagsüber war es aber angenehm warm und sonnig. Vormittags hatten wir etwas Freizeit, denn Haruyo und Shigeru hatten noch Arbeiten zu erledigen, bei denen wir schlecht mithelfen können. Endlich habe ich nun auch eine Antwort darauf gefunden, was man gegen bestimmten Insektenbefall tun kann. Die Yabukita-Pflanzen im Teegarten 4 sind nämlich von roten Läusen befallen. Morgens fährt Shigeru mit einer Maschine, die optisch sehr an eine Erntemaschine erinnert durchs Feld und spült die Läuse mit Luftdruck und Wasser in Säcke, die am Gerät hinten befestigt sind. 

Foto: Shigeru beim Befreien der Yabukita-Pflanzen von roten Läusen

Den Nachmittag haben wir wieder mit den schwarzen Netzen verbracht. Wir hätten nie gedacht, dass es so viel Arbeit ist die Netze anzubringen. Mit dem Auflegen der Netze, wie ihr im Video sehen könnt, ist es leider nicht getan. Alle drei bis vier Meter müssen die Netze an den Büschen festgebunden werden. Das ist unser Job! Heute haben wir zwei Drittel des Gartens 12 geschafft und hoffen darauf morgen fertig zu werden.

Video: Die Morimotos bereiten die Teeernte vor

07.04.2013


Foto: Yabukita Shincha 2013

Es ist etwas kühl geworden. Ein kalter Ostwind hat seit dem frühen Morgen für Abkühlung gesorgt und Shigeru eine schlaflose Nacht beschert. Vor ca. 100 Jahren war es schon einmal, wie in diesem Jahr außergewöhnlich warm zu dieser Jahreszeit und dann gab es noch einmal, kurz vor der Ernte Frost und die ganze erste Ernte ist erfroren. Die Angst vor Frost trieb Shigeru aus dem Bett und so kontrollierte er in der Nacht, in jedem Teefeld, ob die Ventilatoren, die die warme Luft von oben die Sträucher blasen sollen, alle funktionierten.

Für uns hieß es gestern noch, dass wir heute Freizeit machen können. Nach dem Frühstück wurden wir dann jedoch gleich passend für die Arbeit eingekleidet - im "Haruyo-Style" - und dann gings raus auf die Teefelder: Das Feld 12, auf dem Yutaka Midori wächst, sollte mit schwarzen Netzen abgedeckt werden. Hier produzieren die Morimotos für uns Kabusecha, den wir mit Eintreffen der Schiffslieferung auch im Sortiment haben werden.
Zuerst mussten Schnüre an allen Enden der langen Netze befestigt werden. Reihe für Reihe hat Shigeru die Netze über die Büsche gezogen und Haruyo, beide Töchter: Tae und Yukie und wir beide: Dietmar und Tobias haben etwa alle zwei Meter die Netze an den Büschen festgebunden. Eigentlich wollten wir den ganzen Teegarten 12 schaffen zu beschatten, aber das Wetter hat unsere Pläne durchkreuzt. Aus Sorge um die jungen Triebe, wenn der Wind die noch nicht befestigten Netze wegfegt, haben wir mittags den Rückzug angetreten. Nach dem Mittagessen war dann doch Freizeit angesagt und wir haben ein bisschen die Gegend erkundet. Zum frühen Nachmittag hörte der Wind aber endlich auf. So haben wir uns wieder auf den Weg in die Teegarten gemacht. Jetzt war Teegarten 1 an der Reihe: Hier wächst ebenfalls Yutaka Midori. 6 Reihen haben wir hier mit Netzen überzogen.


Foto: Kabuse Yutaka Midori

Im Anschluss war Warabi-Zeit. Warabi sind Farn-Sprossen, die neben den Teefeldern sprießen. Bei den Morimotos gibt es als Beilage zu fast jedem Essen Warabi, frittiert oder sauer eingelegt. Wir sind immer wieder begeistert, wie die Morimotos aus Wildkräutern und Wildgemüse ein wundervolles Essen zaubern. 

Momentan sieht es so aus, dass wir am Freitag oder Samstag mit der Ernte beginnen können - Shincha 2013!

06.04.2013

Wir sind mal wieder in Japan. Am 5.April ging's los.

Ersteinmal sind wir nach Nagoya geflogen und hatten dort einen ganzen Vormittag Aufenthalt. Durch einen Zufall lasen wir auf einer Tafel, dass der berühmte Töpferort Tokoname nicht weit entfernt liegt - nur zwei Bahnstationen vom Flughafen aus. So sind wir bei strömendem Regen durch Tokoname spaziert und haben einige Werkstätten gesehen und auch prompt einen Töpfer kennengelernt.

Foto: Keramik-Katzen-Straße in Tokoname

Nach dem langen Flug wurden wir von Shigeru Morimoto am Flughafen von Miyazaki abgeholt und gleich stürzten wir uns ins Familienleben. Unsere - wir sind ja jetzt Teil der Familie -  "Cousine" feiert Hochzeit, die Zeremonie haben wir zwar verpasst, aber zur ersten Party kamen wir dann dazu. Alle lieben Menschen, die wir im vergangenen Jahr kennengerlernt hatten waren da - die ganze Groß-Familie. Der Brauch einem bekannten Gast Bier oder Wein einzuschenken hat am Ende der Party der Übermüdung durch den anstrengenden Flug noch einen kleinen Rausch hinzugefügt. Es war aber ein besonders herzlicher Empfang.